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Marie Luise von Halem spricht zu unserem Antrag „Fachkräftebericht für den Bereich der Kindertagesbetreuung fortschreiben“

  • Fraktionsmitglied 2009-2019

    Marie Luise von Halem

- Es gilt das gesprochene Wort!

[Anrede]

Die Zeitungsberichte mehren sich: In Luckenwalde, aber sogar auch in den berlin-nahen Städten Falkensee und Potsdam können Plätze in Kindertageseinrichtungen nicht vergeben werden, weil das qualifizierte Personal fehlt. In Potsdam sollen es sogar 200 Plätze sein.

Das Fazit des letzten Fachkräfteberichts vom August 2013 war da noch anders: Die Ausbildungsquoten seien hoch genug, um die Bedarfe zu decken und auch die erhöhten Zahlen an ErzieherInnen, die in den Ruhestand gehen, könnten mühelos kompensiert werden, so hieß es. Auch die Verbesserungen im Personalschlüssel konnten abgedeckt werden. Der Fachkräftebericht war damals sehr gut, weil er aufzeigte, dass wir uns die Qualitätsverbesserungen auch personell leisten können.

Wir stehen nun zum Glück – auch laut den Beschlüssen mehrerer hier vertretenden Parteien – wieder vor weiteren Personalschlüsselverbesserungen. Die Frage stellt sich demnach wieder: haben wir genügend Personal? Auch wenn aktuelle landesweite Zahlen erstmal keinen Anlass geben, von einem generellen und flächendeckenden Fachkräftemangel zu sprechen, so sind die mit der Weiterentwicklung des Fachkräfteberichts zu erwartenden Erkenntnisse für die zukünftige und regionale Bedarfsdeckung von Bedeutung.

Obwohl wir in der Brandenburg sogar besser bezahlen als die Berliner treten immer wieder Engpässe auf. Hierauf müssen wir reagieren und auch die Ausbildung darauf einstellen. Der Bericht soll auch aufzeigen wie das gehen kann und worüber wir zahlenmäßig reden.

In der Brandenburger Kitalandschaft gibt es noch so manche Baustelle, die gelöst werden muss. So sind wir uns wahrscheinlich alle einig, dass die ersten Lebensjahre besonders über die Entwicklung eines Menschen entscheiden. Nur wenn das Lernen Freude macht, können sich die sozialen, emotionalen, motorischen, sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten voll entwickeln. Das Zusammenspiel aus gutem Betreuungsschlüssel, gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern sowie ausreichend für die Leitung einer Kita freigestellten Fachkräften macht für uns die Qualität der Einrichtungen aus.

Ja, wir brauchen endlich einen Stufenplan, der aufzeigt, wie wir in einem angemessenen Zeitraum mindestens auf den Bundesdurchschnitt bei den Personalschlüsseln kommen. Denn – das hat u.a. die Nubbek-Studie und die separate Brandenburgauswertung eindrucksvoll gezeigt – der Personalschlüssel, bzw. die Größe der betreuten Gruppen hat einen riesigen Einfluss auf die Qualität der Kindertagesbetreuung. Kann man sich ja auch gut vorstellen: Wenn ein Kind gerade Zuspruch braucht, dann ist es ein Unterschied, ob die Erzieherin zusätzlich noch drei andere zu betreuen hat oder sieben.

Auch ist es endlich an der Zeit, die Anerkennung und Bezahlung einer 3. Betreuungszeitstufe vorzunehmen: denn zwei Drittel aller Kinder sind 7 Stunden, ein Drittel aller Kinder gar 9 Stunden am Tag in den Kinderbetreuungseinrichtungen. Bezahlt werden die Einrichtungen vom Land aber maximal für 7,5 Betreuungsstunden. Die Einführung der 3. Betreuungszeitstufe würde zu einer deutlich entspannteren Personalsituation und damit zur Verbesserung der Betreuungsqualität beitragen.

Die Fachkräftesicherung bleibt dabei ein wichtiger Aspekt. Wenn wir Schwierigkeiten haben, liegt das nach Aussagen von ExpertInnen an den Rahmenbedingungen und weniger als früher an der schlechten Bezahlung. Diese ist durch die guten Tarifabschlüsse und die Höhergruppierung deutlich besser geworden. Auch wenn wir immer noch bemängeln, dass die Erzieherinnen und Erzieher deutlich weniger verdienen als Grundschullehrkräfte oder gar Gymnasiallehrer*innen. Nein, das Hauptaugenmerk liegt mittlerweile auf den Arbeitsbedingungen. Die Belastungen für die Erzieher*innen sind enorm hoch: 75% der ErzieherInnen sind häufig von Lärm betroffen, bei den anderen Berufen sind dies gerade einmal 23%; 59% der ErzieherInnen verüben ihre Arbeit in gebückter, hockender oder kniender Haltung, bei den anderen Berufen sind dies gerade einmal 16%. Auch bei der Belastung durch Viren oder Bakterien oder beim Heben und Tragen von schweren (Kinder-)Lasten wird von den Erzieher*innen deutlich mehr verlangt als von anderen Berufsgruppen. Hier würde ein besserer Betreuungsschlüssel oder die 3. Betreuungsstufe helfen, die Belastungen zu reduzieren und attraktivere Arbeitsbedingungen zu schaffen. Oder eine bessere Einberechnung von Fehlzeiten durch Krankheit oder Fortbildung oder der indirekten Arbeit am Kind wie Elterngespräche oder Beobachtungen.

Geborgenheit, Sicherheit, verlässliche Bindungen und Förderung sind Voraussetzung für gutes Aufwachsen und erfolgreiches Lernen. Deshalb ist die Qualität des Angebots entscheidend. Erzieher*innen, Lehrer*innen und Sozialarbeiter*innen leisten Großartiges für unsere Kinder. Aber ihnen sind Grenzen gesetzt, weil es an der Ausstattung und leider immer häufiger auch am Personal mangelt.

Um hier Klarheit zu bekommen und die richtigen Maßnahmen daraus ableiten zu können, brauchen wir den Fachkräftebericht. Ich bin deshalb froh, dass die Koalitionsfraktionen unseren Antrag mit unterstützen und wir ihn gleich beschließen können.

>>Antrag: Fachkräftebericht für den Bereich Kindertagesbetreuung

Der Antrag wurde angenommen.