Die einzige bildungspolitisch relevante Tat dieser Landesregierung im Kitabereich war 2010 die Verbesserung des Betreuungsschlüssels. Damit ist Brandenburg von Platz 16 auf Platz 16 im Länderranking gesprungen und die Fachleute sagen darüber hinaus, es sei praktisch kaum eine Änderung spürbar. Diese Verbesserung hat 40 Millionen Euro im Jahr gekostet.
Unsere Anregungen, einen Stufenplan aufzustellen, der aufzeigt, wie weitere Verbesserungen beim Betreuungsschlüssel, bei der Leitungsfreistellung, bei der Fortbildung oder bei der Sprachförderung gelingen können, wurden von der Regierung mehrfach abgelehnt.
In kaum einem anderen OECD-Land bestimmt die soziale Herkunft so sehr den Bildungserfolg wie in Deutschland.
Das ist eine Schande für unser Land. Weil die ersten Jahre über die Bildungskarriere entscheiden, machen wir uns für bessere Kitas stark. Seit August 2013 haben Eltern Anspruch auf einen Kita-Platz für ihre Kinder ab einem Jahr. Auch wenn es hierzulande regionale Unterschiede gibt: Brandenburg hat mit seinem hohen Versorgungsgrad in Deutschland mit die Nase vorn.
In der Altersgruppe der Kinder unter 3 Jahren beträgt die Betreuungsquote 53,6%. Bei den Kindern von 3 Jahren bis zur Einschulung 96,3%. Doch beim Betreuungsschlüssel, der mitentscheidend für die Qualität einer Kita ist, bleibt Brandenburg Schlusslicht – trotz der kleinteiligen Verbesserung in dieser Legislaturperiode. Auch wenn seit 2010 nur noch 6 statt 7 der Null- bis Dreijährigen von einer Erzieherin oder einem Erzieher betreut werden (12 statt 13 bei den Vier- bis Sechsjährigen), konnte sich Brandenburg bundesweit nicht verbessern: Es bleibt auf dem letzten Platz. Schlechtes Abschneiden auch bei den Sprachfähigkeiten: 17 Prozent der märkischen Vorschulkinder haben Sprachdefizite – mehr als ihre Berliner AltersgenossInnen.
Die Fachleute sind sich lange einig: In den ersten Lebensjahren werden die Weichen für die Bildungserfolge von Kindern gestellt. Aber eine aktuelle Studie „Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit“ (Nubbek) für ganz Deutschland zeigt: Für viele Kinder ist der Zug dennoch abgefahren.
Die ForscherInnen bescheinigen 80 Prozent der Betreuungseinrichtungen nur mittlere Qualität. Weniger als 10 Prozent leisten gute pädagogische Arbeit, mehr als 10 Prozent schlechte. Kinder aus sehr guten Einrichtungen waren solchen aus sehr schlechten mit ihren Denkfähigkeiten und in der sozialen Entwicklung um ein ganzes Jahr voraus! Der Kita- Ausbau darf also nicht nur quantitativ erfolgen. Wir gehen davon aus, dass das Zusammenspiel aus gutem Betreuungsschlüssel, gut ausgebildeten ErzieherInnen und ausreichend für die Leitung einer Kita freigestellten Fachkräften die Qualität einer Einrichtung ausmachen.
Wir müssen endlich lernen, frühkindlicher Bildung einen anderen Stellenwert beizumessen. Bei uns wird der Universitätsprofessor gesellschaftlich und finanziell üppig honoriert, die Erzieherin ist für das Sortieren von Bauklötzen zuständig und wird entsprechend bezahlt. Vor allem bei der Sprachförderung wissen wir längst, dass der konstatierte Förderbedarf sehr viel höher ist, als mit den zur Verfügung stehenden Mitteln abzudecken ist.
Zudem hat das Bildungsministerium mittlerweile eingeräumt, dass die von Brandenburg betriebene kompensatorische, also nachgelagerte Sprachförderung nicht die gewünschten Ergebnisse bringt. Nun wird das System langsam auf die parallele Sprachförderung umgestellt, die Kinder schon während des Spracherwerbs unterstützt und nicht erst dann, wenn Defizite ersichtlich sind. Voraussetzung für eine gute Sprachförderung ist aber vor allem, dass es mehr ErzieherInnen gibt, die mit den Kindern reden können.
Eine weitere Baustelle ist das Thema Inklusion. Wir haben gute Integrationskitas, aber Inklusion bedeutet mehr und gehört zwingend an den Anfang der Bildungslaufbahn – nämlich in alle Kitas. Wir fordern eine verbindliche Aufnahme in das Kindergartengesetz und verlässliche Rahmenbedingungen wie maximale Gruppengrößen für inklusiv arbeitende Gruppen.
Das will die Landtagsfraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
1. Einen Stufenplan für mehr Qualität in der frühkindlichen Bildung
2. Höhere Leitungsfreistellungen, besserer Betreuungsschlüssel, mehr Fortbildungen und besser ausgebildetes Personal
3. Bessere Bezahlung für ErzieherInnen