Kleine Anfrage „Nutzung der Fischbestände in den Brandenburger Gewässern“ herunterladen (PDF, 64 KB)
(Nr. 1198 – Axel Vogel) Die FDP Fraktion im Brandenburger Landtag hat am 17.02.2011 eine Große Anfrage mit dem Thema „Fischerei und Fischzucht in Brandenburg“ (pdf-Datei) gestellt. Da das Thema Angeln und Angeltourismus auch die Thematik der Nutzung der Fischbestände betrifft, in der Großen Anfrage aber unberücksichtigt bleibt, soll diese Kleine Anfrage als Ergänzung dazu gesehen werden.
Angeln ist im gewässerreichen Brandenburg sehr beliebt. Auch viele Berliner nutzen die Gewässer im Umfeld der Stadt. Die Angler kommen aus allen Bevölkerungs- und Einkommensschichten. Am liebsten wird auf Hecht, Karpfen und Aal gefischt, wobei die Aussicht auf einen einzelnen großen Fisch stärker motiviert als der Fang vieler kleiner (vergleiche Arlinghaus 2006). Im Mittel fängt jeder Angler 5 kg Fisch pro Jahr aus den Seen und Flüssen der Region heraus.
Die meisten Gewässer in Brandenburg werden durch Fischereibetriebe bewirtschaftet. Die Berufsfischerei insgesamt hat einen erheblichen Einfluss auf die Fischbestände, unterliegen aber mit Ausnahme des Fang des Aal einer geringen Kontrolle. Die Brandenburger Angler gaben an, dass die Zufriedenheit bei der Ausübung des Hobbys von der Anzahl kapitaler Fänge und der Zahl der Anbisse bestimmt wird. Unabhängig vom Fang sind auch die Entspannung am Wasser und die Verfügbarkeit von Angelstellen bedeutsam.
Das touristische Potential der Seen in Brandenburg wird nicht ausgeschöpft. Viele Angler aus Berlin und Brandenburg, die an Gewässern mit guten Fischbeständen angeln wollen, fahren ins Ausland oder in das benachbarte Bundesland Mecklenburg-Vorpommern.
Die Seen in Brandenburg haben das gleiche naturräumliche Potential wie die in Mecklenburg-Vorpommern, werden aber nach Aussagen vieler einheimischen Angler zu intensiv befischt, um lukrativen Angeltourismus zu etablieren. Der größte Teil der Fische in Brandenburg wird von den Berufsfischern entnommen, die nach dem Rückgang ihres „Brotfisches“ Aals verstärkt die anderen Fischarten befischen. Das Potential an Anglern, die für gute Fangaussichten bereit sind, mehr Geld für eine Angelkarte zu investieren, könnte auch in Brandenburg genutzt werden. Die Lage in der Nähe von Berlin ist in Zeiten höherer Mobilitätskosten vielversprechend. Die Möglichkeit, an einem idyllischen See in erreichbarer Nähe mit einem guten Fischbestand zu angeln, dürfte ein hoher touristischer Anreiz für die Regionen sein.
Ich frage die Landesregierung:
1. Wie viele Gewässer werden durch Berufsfischer, den Deutschen Anglerverband, Privatpersonen oder Naturschutzverbände bewirtschaftet? Für viele Prozent besteht Koppelfischerei? Bitte nach Landkreisen, Gewässerzahl und Gewässerfläche aufschlüsseln.
2. Wie viele Berufsfischer gibt es in Brandenburg, welcher Umsatz wurde durch die Berufsfischerei in den Jahren 2008, 2009 und 2010 erwirtschaftet?
3. Wie viele Angler gibt es in Brandenburg? Welcher Umsatz entsteht durch die Angler in den Jahren
2008, 2009 und 2010:
* durch den Verkauf von Angelkarten?
* in den Angelfachgeschäften?
* durch Angeltourismus?
4. Wie viel Einnahmen hatte die Landesregierung durch die Fischereiabgabe in den Jahren 2008, 2009 und 2010 erzielt? Bitte nach Anglern und Berufsfischern aufschlüsseln.
5. Wofür wurden die Einnehmen aus der Fischereiabgabe verwendet? 6. Wie kann ein Tourist erfahren, wo er einen Fischereierlaubnisschein für ein Gewässer in Brandenburg erwerben kann? Ist ein Gewässerverzeichnis nach dem Vorbild der Broschüre „Gewässserverzeichnis 2010 Mecklenburg-Vorpommern“ geplant?
7. Wie viele Fischereiaufseher gibt es im Land Brandenburg. Wie viele davon sind ehrenamtlich tätig?
8. Wie viele Verstöße gegen das Fischereirecht wurden in den den Jahren 2007, 2008 und 2010 geahndet?
9. Welche Dokumentation in Form von Hegeplänen oder Fangstatistiken sind für Berufsfischer und Angler vorgeschrieben? Wie werden diese erfasst und ausgewertet?
10. Gibt es unabhängig davon ein wissenschaftliches Monitoring, dass die Entwicklung der Fischbestände in den Brandenburger Gewässern untersucht? Wenn ja, von wem wird dieses durchgeführt und wie viele Gewässer werden in welchen zeitlichen Abständen untersucht?
11. Inwiefern ist der Abschuss von Kormoranen im Land Brandenburg gerechtfertigt, wenn man keine verlässlichen Daten über die Entwicklung der Fischbestände und deren Anlandung hat?