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Chancen des Waldumbaus in Brandenburg besser nutzen

Kleine Anfrage „Chancen des Waldumbaus in Brandenburg besser nutzen“ herunterladen (PDF, 315 KB)

(Nr. 1843 – Benjamin Raschke) Seit 1990 investierte das Land Brandenburg 318 Millionen Euro Finanz- und Sachmittel für den Waldumbau auf ca. 78.000 ha Wald. Das Ziel lautet: ca. 500.000 ha Wald in den nächsten 40 Jahren „umzubauen“, also Wald mit natürlichen Strukturen, gemischten Alters- und Artenbeständen zu schaffen. Dies ist insbesondere in Brandenburg notwendig, wo über 70% des Waldes durch die Kiefer geprägt sind, welche im Reinbestand anfällig gegenüber extremen Witterungsbedingungen, Schädlingen und Waldbränden ist. Mit ca. 2.000 – 2.500 ha Waldumbau im Landes-, Privat- und Körperschaftswald pro Jahr schreitet dieser in Brandenburg im Hinblick auf die gesteckten Ziele recht langsam voran. Ausreichend Fördermittel sind vorhanden, welche z.B. in der vergangenen Förderperiode nicht vollständig abgerufen wurden. In der Förderperiode 2014 – 2020 stehen wieder 20 Millionen Euro für den Waldumbau zur Verfügung, welche durch die Beratung der Waldbesitzer durch forstliche Sachverständige im Förderzeitraum ausgeschöpft werden sollen.

Offen bleibt bisher, mit welchen Mitteln die Landesregierung den Waldumbau daher im von ihr geplanten Umfang voranbringen will. Eine große Rolle könnte hier die Naturverjüngung spielen, fast 50% der Jungpflanzen aber werden durch Schalenwild verbissen. Wie die Landesregierung mitteilte ist daher eine Reduzierung der regional überhöhten Schalenwildbestände notwendig.

Ich frage daher die Landesregierung:

I. Ökonomisches Potential des Waldumbaus in Brandenburg

1. Wie hoch beziffert die Landesregierung die Schäden, welche in den letzten 5 Jahren durch Waldbrände entstanden sind? Wie hoch sind die Schäden zu beziffern, die durch Waldumbau vermieden werden könnten?
2. Wie hoch sind die jährlichen Schäden (in Euro), welche durch den Kiefernprozessionsspinner in den letzten fünf Jahren in Brandenburger Wäldern entstanden sind (bitte Schätzungen getrennt für Landes- und Privatwald)? Wie schätzt die Landesregierung die vermeidbaren Schäden durch den Kiefernprozessionsspinner durch den Waldumbau ein?
3. Wie hoch schätzt die Landesregierung das vorhandene Einschlagspotential in Privatwäldern und dem Landeswald in den nächsten 10, 20 und 30 Jahren ein, das im Rahmen des Waldumbaus genutzt werden könnte (eine ungefähre Angabe in Festmeter ist ausreichend)?
4. Wie bewertet die Landesregierung das ökonomische Potential, welches sich durch den Verkauf von mehr Holz aus Mischwaldbeständen, wie z.B. Eiche und Buche, in Brandenburger Wäldern erzielen lassen könnte?
5. Wie ist der Anteil von importiertem und exportiertem Holz in Brandenburg? Welches Verhältnis von Holzimport und -export strebt die Landesregierung mit den Maßnahmen zum Waldumbau an?
6. Sieht die Landesregierung darüber hinaus ökonomische Vorteile, die sich durch den Waldumbau ergeben?

II. Waldumbau-Fördermaßnahmen für Privatwaldbesitzer

7. Welche Gründe führen aus Sicht der Landesregierung zur bisherigen Zurückhaltung der Privatwaldbesitzer beim Waldumbau?
8. Welche Unterstützung erhalten Privatwaldbesitzer bisher, welche finanziellen, infrastrukturellen und beratenden Fördermaßnahmen für den Waldumbau stehen in Brandenburg zur Verfügung? (Bitte die Fördermaßnahme hinsichtlich der Zielsetzung, der Zielgruppe, der Laufzeit, des Verfahrens und des Gesamtbudgets sowie der bis dato in den vergangenen 10 Jahren abgerufenen Fördersumme bzw. verausgabten Mittel kurz beschreiben.)
9. Wie erfolgt die Erfolgskontrolle der geförderten forstlichen Maßnahmen, über welchen Zeitraum erstreckt sich die Erfolgskontrolle jeweils?
10. Wie viele Waldbesitzer und für wie viele Waldflächen wurde im vergangenen Jahr eine professionelle Beratung zum Waldumbau durch staatliche Förster in Anspruch genommen? Wie erklärt sich die Landesregierung diese Zahl?
11. Gibt es aus Sicht der Landesregierung vorbildliche Projekte/Initiativen, bei welchen der Waldumbau auf privaten Waldflächen beispielhaft vollzogen wurde? Wurden diese Projekte/Initiativen evaluiert? Welche Schlussfolgerungen zieht die Landesregierung aus dieser Evaluation für die Gestaltung der Fördermaßnahmen für den Waldumbau in Brandenburg?
12. Welche praktischen Beispiele aus anderen Bundesländern könnten den Waldumbau in Brandenburg unter Berücksichtigung der forstbaulichen Besonderheiten Brandenburgs befördern? Wenn solche bereits übernommen werden, bitte ebenfalls angeben.

III. Maßnahmen zur Reduktion des Schalenwildverbisses

13. Trotz Verlängerung der Jagdzeit auf Böcke ist die Rehwildstrecke laut Jagdbericht 2014/15 (Kap. 6.4) im letzten Jahr um 5 % gesunken und das Geschlechterverhältnis erlegter Tiere immer noch unausgeglichen. Welche Ursachen sieht die Landesregierung für diese Entwicklung? Welche Maßnahmen leitet die Landesregierung aus den benannten Ursachen ab?
14. Inwieweit werden in der Verwaltungsjagd die Abschüsse gemäß Altersklassen bei Schalenwild eingehalten?
15. Welche Maßnahmen ergreift die Landesregierung, um den Schalenwildverbiss zu reduzieren und damit Schäden im Waldbestand zu verhindern und das Potential einer natürlichen Waldverjüngung zu heben?
16. Welche Menge an Schalenwild ist für einen gelingenden Waldumbau in Brandenburg nach Auffassung der Landesregierung anzustreben? Welche zusätzliche Menge Wildbret wären hier zu erwarten und wie sieht die Landesregierung die Vermarktungsmöglichkeiten hierfür?
17. Welche dieser Maßnahmen waren in den letzten Jahren erfolgreich und haben Schalenwildverbissschäden reduziert? Welche dieser Maßnahmen waren nicht erfolgreich?
18. Wie groß ist, ggf. durchschnittlich, die betreute Reviergröße je Förster? Hält die Landesregierung die Reviergrößen für einen gelungenen Waldumbau für geeignet?
19. Wann erwartet die Landesregierung die Empfehlungen des Landesjagdbeirats zur Reduzierung des Schalenwildverbisses? Wo sind diese ggf. öffentlich einsehbar?
20. Entsprechend §29 (7) des Brandenburger Jagdgesetzes kann die untere Jagdbehörde die Erfüllung des Abschussplanes durchsetzen, insofern der Jagdausübungsberechtigte den Abschussplan für Schalenwild nicht erfüllt. Wie oft fand diese Regelung in den letzten 10 Jahren Anwendung (bitte nach Jagdbezirken und Jahr aufgeschlüsselt angeben)?
21. Wie kann die obere Jagdbehörde die untere Jagdbehörde bei der Durchsetzung zur Erfüllung der Abschusspläne unterstützen? Sieht die Landesregierung Potential für den Waldumbau in einer Überwachung der Durchsetzung von Abschussplänen durch die oberste Jagdbehörde?
22. Welche Maßnahmen unternimmt die Landesregierung, um veränderte Anforderungen an die Jägerschaft im Rahmen des Waldumbaus (Jagd als Dienstleistung und Waldumbau als Aufgabe auch der Jäger) in die Jagdausbildung zu integrieren?
23. Wie sind Hegegemeinschaften juristisch einzuordnen? Welche Ziele verfolgen Hegegemeinschaften anhand welcher Funktionen, Aufgaben und Weisungsbefugnisse?
24. Wie schätzt die Landesregierung die Wirksamkeit von Hegegemeinschaften bei der Reduktion des Schalenwildverbisses ein? Wie bewertet die Landesregierung die Wirkung auf den Waldumbau von Hegegemeinschaften gegenüber Eigentümergemeinschaften?
25. Welche Wildvermarktungsstrategien gibt es in Brandenburg (z.B. Signet „Wild aus Brandenburg“)? Welche Erfahrungen wurden damit gemacht?

IV. Personalbedarf im Landesforst für den Waldumbau

26. Wie viel Arbeitszeit steht den Mitarbeitern der Landesforst für Waldumbauaufgaben zur Verfügung? Bitte skizzieren Sie beispielhaft anhand einer konkreten Oberförsterei, welche Waldumbauaufgaben diese mit welchem Personalschlüssel und welcher Finanzausstattung wahrnimmt?
27. Inwieweit wird die Jagd, sofern sie an waldbaulichen Zielen ausgerichtet ist, als Arbeitszeit gewertet?
28. Wie werden sich diese Aufgaben und die zur Verfügung stehende Arbeitszeit nach dem Personalabbau entsprechend des Haushaltsplanes 2017/18 verändern? Bitte skizzieren Sie anhand einer konkreten Oberförsterei die zukünftige Personalausstattung und Aufgabenbeschreibung zur Bewältigung der Waldumbauaufgaben nach der Stellenkürzung entsprechend der Haushaltsplanung für 2017/18?
29. Wie werden sich die Aufgaben und die Arbeitszeit für den Waldumbau für den Landesforstbetrieb im Rahmen der Funktionalreform verändern? Welche Rolle sollen nach Ansicht der Landesregierung freiberufliche Forstberater einnehmen?