Kleine Anfrage „Diabetes in Brandenburg“ herunterladen (PDF, 196 KB)
(Nr. 963 – Ursula Nonnemacher) Diabetes mellitus ist die häufigste Erkrankung des Stoffwechsels. Aktuelle Daten der AOK Nordost zeigen, dass von deren Brandenburger Versicherten 13% an einer der beiden Hauptformen des Diabetes (Typ 1 vs. Typ 2) erkrankt sind. Der bundesweite Anteil Erkrankter wird auf 8% geschätzt. Dabei ist der überwiegende Teil der PatientInnen, darunter immer häufiger Kinder und Jugendliche, von einem Typ 2 Diabetes betroffen. Diese Erkrankung wird insbesondere durch Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung verursacht. Das Robert-Koch-Institut hat zudem einen Zusammenhang zum sozioökonomischen Status der PatientInnen festgestellt. Je ärmer ein Mensch ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Diabetes-Hilfe zieht hierzu folgenden Vergleich: Diabetes hat im bessergestellten Hamburg Blankenese eine Auftretenshäufigkeit von 4,3 Prozent, in Bad Belzig dagegen von 13,5 Prozent. Insbesondere weisen Kinder aus sozial benachteiligten Familien ein Ernährungs- und Bewegungsverhalten auf, dass die Entstehung eines Typ 2 Diabetes fördert.
Die Auswirkungen der Erkrankung können gravierend sein: Typische Folgeschäden sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen des Nervensystems und/oder Nierenerkrankungen. Zunehmend mehr Menschen in Brandenburg müssen aufgrund eines Typ 2 Diabetes im Krankenhaus behandelt werden1. Allerdings sind Therapie und Schwere der Folgeerkrankungen abhängig von der Ausprägung der Erkrankung. Bei einer frühen Diagnosestellung reicht oft eine Änderung des Lebensstils zur Normalisierung des Stoffwechsels aus.
Ich frage die Landesregierung:
1. Wie hat sich die Prävalenz des Diabetes mellitus in Brandenburg in den letzten zehn Jahren entwickelt? Bitte aufschlüsseln nach:
a) Typ 1 und Typ 2 Diabetes,
b) Altersgruppen,
c) Geschlecht,
d) regionalen Unterschieden,
e) sozioökonomischen Merkmalen/Sozialstatus
2. Wie haben sich die Risikofaktoren zur Entwicklung eines Typ 2 Diabetes in den verschiedenen Altersgruppen in den letzten zehn Jahren entwickelt, bezogen auf:
f) Übergewicht/Adipositas,
g) Bewegungsmangel.
3. Gibt es weitere Risikofaktoren, die von der Landesregierung für die Entwicklung eines Typ 2 Diabetes identifiziert werden? Wenn ja, welche?
4. Die Landesregierung hat die Bekämpfung von Kinderarmut priorisiert. Verfügt die Landesregierung über Strategien zur Verminderung sozial bedingter Ungleichheit von Gesundheitschancen? Wenn ja, welche? Wenn nein, warum lässt sie dieses Thema im Rahmen der Armutsbekämpfung außen vor?
5. Welche Gründe sieht die Landesregierung für die deutlich erhöhte Prävalenzrate des Typ 2 Diabetes in Brandenburg im Vergleich zum Bundesdurchschnitt? Gibt es Unterschiede zu der Gesundheitspolitik anderer Bundesländer, in denen die Prävalenzrate des Typ 2 Diabetes geringer ist?
6. Plant die Landesregierung auf relevante Akteure aus der Gesundheitshilfe und den Alltagswelten einzuwirken, um beispielsweise eine verbesserte Risikowahrnehmung in der Bevölkerung zu schaffen oder zur Unterstützung einer Lebensstiländerung?
a) Wenn ja, mit welchen?
b) Wenn nein, warum nicht?
7. Welche Meinung vertritt die Landesregierung hinsichtlich der Implementierung einer Nationalen Diabetesstrategie? Wird sie sich auf Bundesebene für dieses Ziel einsetzen?
Fußnote
1 Siehe: http://www.gesundheitsplattform.brandenburg.de/sixcms/detail.php?gsid=bb2.c.605428.de&template=gesi_interpretation_d