Benjamin Raschke:
In der traditionsreichen Obstbauversuchsstation Müncheberg werden für For-schungszwecke seit fast 90 Jahren Obstsorten angebaut, derzeit auf 32 Hektar über 1.000 Apfelsorten, etwa 100 Sorten Birnen, 50 Sorten Kirschen und 25 Aprikosensorten. Sie stellen einen wertvollen Saatgut-Schatz einheimischer Obstsorten dar und sind angesichts der zunehmenden Kommerzialisierung und Globalisierung des Obstanbaus unter anderem für die Förderung regional produzierter Lebensmittel von hoher Bedeutung. Minister Jörg Vogelsänger stellte im Herbst 2016 ein Konzept zum Erhalt der Station vor und im Haushalt wurden Finanzmittel für die Zeit ab 2017 eingestellt. Mitte Februar 2017 gab es Kritik von einer lokalen Initiative, dass – trotz der Zusicherungen des Ministers – die Situation der Obstbauversuchsstation in Müncheberg immer prekärer werde.
Ich frage die Landesregierung: Wie ist der Stand der Umsetzung des Konzeptes zum Erhalt der Obstbauversuchsstation Müncheberg?
Antwort der Landesregierung:
gern beantworte ich Ihre Frage zur Obstbauversuchsstation Müncheberg. Wie Ihnen bekannt ist, wurde diese zum 1. Januar 2016 in das Landesamt für Ländli-che Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) zurückgeführt. Die Rückführung der Station diente ebenfalls der Sicherung der obstgenetischen Res-sourcen. Mein Ministerium erarbeitete gemeinsam mit dem zuständigen Landesamt ein Konzept, das Ihnen bereits vorgestellt wurde.
Nun kann ich Ihnen mitteilen, dass folgende Aufgaben durch die Versuchsstation zum Nutzen Brandenburger Obstbauunternehmen umgesetzt werden können:
1. Bewirtschaftung von Demonstrationsanlagen bei Stein- und Kernobst,
2. Erstellung eines Düngeleitfadens für die Obstkultur Süßkirschen,
3. Demonstration ertragreicher Anbauverfahren bei Steinobst unter Brandenburger Standortverhältnissen,
4. kostenlose Durchführung von Informationsveranstaltungen und Feldtagen für den Erwerbsobstanbau im Bereich des Stein- und Kernobstes,
5. Durchführung von Schnittseminaren zur Kronengestaltung bei Obstbäumen im Erwerbsobstanbau.
Gleichwohl ist der Erhalt des kulturellen Erbes der Station in Müncheberg mit ihren erhaltenswerten obstgenetischen Ressourcen ein besonderes Anliegen. Durch die personelle und finanzielle Ausstattung, eine entsprechende Öffentlichkeitsarbeit sowie die Durchführung von Seminaren und Feldtagen sind die obstgenetischen Ressourcen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich.
Erstmals gibt es auf meinen Vorschlag hin, mit Zustimmung der Koalitionsfraktio-nen zu den Landeshaushalten 2017 und 2018, einen eigenen Haushaltstitel für die Obstbauversuchsanstalt. Nur für Sie zum Verständnis, in 2017 hat die Station eine bessere Personalausstattung als in früheren Jahren. Die Personalbesetzung entwickelt sich positiv, es werden 6 Personen in dieser Saison tätig sein. Es kann also keine Rede von „prekärr Situation" sein.
Mit freundlichen Grüßen
Minister Vogelsänger