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Foto: Isa Hiekel | Fraktion

Kartoffeln oder Strom vom Acker? Unser Positionspapier zu Photovoltaik-Freiflächenanlagen ist da

Und hier ist noch viel Luft nach oben. Denn nur mit einer deutlichen Erhöhung der Photovoltaikleistung können wir den Weg hin zu einer vollständigen Versorgung mit erneuerbaren Energien erfolgreich gehen.

Bisher sind wir davon ausgegangen, dass wir eine Verdreifachung der Photovoltaikleistung für unser Land brauchen: von 1,1 Gigawatt (GW) im Jahr 2019 auf 3,5 GW. Beim Ausbau der Photovoltaikkapazitäten standen bislang besonders Dachflächen, Gewerbefläche und anderweitig versiegelte Flächen im Fokus. Aber werden diese Flächen reichen? Angesichts eines voraussichtlichen wachsenden Strombedarfs – etwa im Zuge der Umstellung auf Elektromobilität – ist es wahrscheinlich, dass wir allein mit Dach- und versiegelten Flächen nicht auskommen werden. Ob deshalb die bisher anvisierten 3,5 GW ausreichen – darauf wird nächstes Jahr eine Potenzialanalyse Antworten geben, die gegenwärtig im Land erarbeitet wird.

Zudem holt uns die Entwicklung auf dem Photovoltaik-Markt ein. Die besonders günstigen Aufstellungsbedingungen für PV-Anlagen auf Freiflächen führen derzeit zu einer vermehrten Nachfrage insbesondere nach landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dadurch kommt es jedoch auch zunehmend zu Nutzungskonflikten. Den Kommunen kommt bei der Errichtung von PV-Freiflächenanlagen eine wichtige aktive und vor allem lenkende Rolle zu – denn sie sind die Träger der Bauleitplanung. In diesem Prozess brauchen die Kommunen Unterstützung in Form von Handlungsempfehlungen und Argumentationshilfen. Diese können helfen, um mögliche Standorte für PV-Freiflächenanlagen bewerten und deren Gestaltung und Betrieb mit nachvollziehbaren Kriterien vertreten zu können.

Mit unserem Positionspapier reagieren wir auf die zahlreichen Anfragen, die uns zu diesem Thema in den letzten Monaten erreicht haben. Wir geben erste Antworten auf drängende Fragen: Welche Typen von PV-Anlagen gibt es überhaupt und was unterscheidet sie? Wo haben wir aus bündnisgrüner Sicht Probleme mit diesen Anlagen und gibt es auch Vorteile? Wo sollten klassische PV-Anlagen aufgestellt werden und wo auf keinen Fall? Was ist bei Planung und Gestaltung zu beachten, insbesondere wenn es auch um die Verbesserung der Biodiversität in PV-Anlagen geht? Und wie ist das mit der Beteiligung der Bürger*innen?

Spannend sind aus unserer Sicht vor allem die neuartigen Agri-PV-Anlagen, mit denen Energieerzeugung und landwirtschaftliche oder gartenbauliche Bodennutzung kombiniert werden können. Damit bleiben nicht nur die Standorte für die Nahrungsmittelproduktion erhalten. Die Solaranlagen erzeugen Strom, der in den Betrieb oder die Siedlung eingespeist werden kann und sichern den Landwirtschaftsbetrieben damit auch ein weiteres wirtschaftliches Standbein. Und es gibt auch Kulturen, insbesondere im Gartenbau, die durch die Solarpaneele besser vor Frost, starke Sonneneinstrahlung, Starkregen und Hagel geschützt werden können.

Wir bleiben an diesen spannenden und vielversprechenden Entwicklungen dran. Vielleicht heißt es ja demnächst „Kartoffeln und Strom vom Acker!“